Un Star         21. Februar 2002

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Geschichte über ein tolles Pferd.

Sein Name war „Un Star“. Und er war ein Star!

Im September 1999 kauften wir für kleines Geld von Champion H. W. einen Traber. Ein kleines braunes Pferd mit einem mini Fleck auf der Stirn .Der Trainer wollte ihn verkaufen, weil er einen Stall aufgegeben hatte. Und seine Formen ließen auch zu wünschen übrig.
Kann mich noch genau an den Tag erinnern an dem wir ihn abholten.
Wir, das heißt die ganze Familie, fuhren nach Gelsenkirchen ,eine neue Decke, Transportbandagen und ein Lederhalfter im Kofferraum. Der kleine, wir nannten ihn später „Pony“ oder „Ernie“ ging ganz brav auf den Hänger.
Stolz fuhren wir nach Hause.
Dort angekommen zeigten wir ihm sein neues Heim. Sein Nachbar, Sunn Nulu und er waren sofort ein Herz und eine Seele.
Und sein Futter schmeckte ihm immer.
Das erste mal arbeiten auf seiner neuen Heimatbahn und wir merkten welche unglaubliche Kraft in ihm steckte. Er war kaum zu bremsen.
Vierzehn Tage später sollte er das erste mal für uns laufen. Nervös fuhren wir zur Rennbahn mit ihm. Wieder war die ganze Familie dabei. O.W. der Sohn von H. W. war sein Fahrer. O. machte seine Sache immer gut. Ganz der Papa. ;-)
Start geht ab, „Un Star“ bekam nicht so eine gute Lage im Rennen, aber ca. 500 m vor dem Ziel bekam er plötzlich Flügel und gewann das Rennen ganz leicht. Freude !!! Wir wären auch mit einem Platzgeld zufrieden gewesen!
Kurz um, er verdiente innerhalb kürzester Zeit knapp 20.000 DM für uns. Nicht das es uns das wichtigste war, aber es war eine Wonne zu sehen mit welcher Freude er seine Arbeit machte.
Und dann im Mai 2001 kamen wir morgens in den Stall und finden ihn in seiner Box mit sehr großen schmerzen. Kolik!!! Wir sofort den Tierarzt angerufen der auch sofort kam. Zwei Spritzen und alles schien wieder gut. Am nächsten morgen das gleiche Spiel. Wieder kam der Doc. Und der meinte wir sollen ihn besser in die Klinik stellen. Also Hänger dran und ab.. Dort angekommen wurde „Ernie“ sofort untersucht und an den Tropf gehängt. Er bekam eine schöne Box, aber ein paar Tage kein Futter. Wir alle haben so sehr mit ihm gelitten! Drei mal täglich fuhr einer von uns zu ihm jedes mal 25 km ein Weg. Aber es war uns allen nicht zu viel. Meistens fuhr ich hin, weil ich mir meine Arbeit einteilen kann wie ich will. Nach zwei Wochen die Erlösung. Er durfte nach Hause!
Aber die Koliken kamen wieder, immer in kürzeren abständen. Nach sechs Wochen die erste, dann nach vier Wochen und so weiter. Im September 2001 dann der nächste Klinikaufenthalt. Es wurde dann noch ein Nierenschaden festgestellt. Na ja, dachten wir dann kann er halt keine Rennen mehr laufen und bekommt von uns sein Gnadenbrot .- „Ernie“ war so Tapfer- Er hatte starke schmerzen. Es wechselten sich Nierenkoliken mit Blinddarmkoliken ab. Erstmals sprachen wir darüber unser „Pony“ zu erlösen.
Und wieder schien er sich zu erholen. Er durfte nach drei langen Wochen endlich wieder mal die Klinik verlassen.
Er hatte sehr stark abgenommen und konnte nur noch leichte Arbeit verrichten.
Aber „Ernie“ rappelte sich erneut auf, sah wieder gut aus und die Nierenwerte besserten sich auch. Die Freude war groß. Wir mussten alle zwei Wochen die Blutwerte überprüfen lassen. Ich hatte mittlerweile gelernt wie man Blut nimmt und es funktionierte wunderbar.
Eine Fütterungsexpertin aus München wollte dann noch ein spezielles Blutbild haben mit Selen-, Kupferwerten usw. Dazu wurde ein Spezialröhrchen benötigt.
Das traute ich mir nicht zu und bat einen Trainer von der Rennbahn ( der damit Erfahrung hat) Blut aus der Vene zu nehmen. Da passierte das schlimmste was man sich vorstellen kann in dieser Beziehung. Die Nadel brach in der Vene ab! Es begann erneut eine Odyssee für unseren kleinen. In einem Höllen Tempo in die Klinik. Doktor T. hat zwei Stunden versucht die Nadel wieder zu finden. Er konnte die sie zwar orten, aber eine OP wäre für das schwache Pferd zu viel gewesen. Deshalb versuchten sie am stehenden Pferd mit einer leichten Beruhigung die Nadel raus zu operieren. Ohne Erfolg. - „Ernie“ war so Tapfer! - Wir durften ihn dann wieder mit nach Hause nehmen und hoffen das die Beruhigungsspritze den Nieren nicht allzu sehr geschadet hat. Die Nadel würde sich im Gewebe verkapseln meinte man in der Klinik.
Mittlerweile lagen unsere Nerven ziemlich Blank. Der Tagesablauf wurde nur noch durch unseren Schatz bestimmt. Zu Hause hatten wir noch mehr Verantwortung. Auch Nachts schliefen wir nur noch ein bisschen. Andauernd war einer im Stall. Die Handys lagen immer aufgeladen neben dem Bett. Wir rechneten stündlich mit etwas neuem. Und es kam.
Heiligabend bekam „Ernie“ erneut Kolik. Man konnte ihm noch mal mit Spritzen helfen, die aber wieder schlecht für die Nieren waren. Am ersten Weihnachtsfeiertag klingelte um vier Uhr Nachts mein Handy, mein Schwager war dran und sagte es wäre mal wieder so weit. Der dazu gerufene Tierarzt war auch der Meinung ihn in die Klinik zu stellen.
Da stand unser „Pony“ mal wieder am Tropf. Seine ach so schöne Augen ganz Trüb vom Schmerz. Sie schienen zu fragen WARUM? Mir brach es das Herz bei seinem Anblick. Wir blieben immer so lange wir konnten. Morgens fuhren wir ganz früh zu ihm. Wir gingen spazieren und versuchten es ihm so angenehm wie möglich zu machen. Zwischendurch bekam er immer wieder Kolik. Er wurde dünner und dünner. Am Neujahrsmorgen meinte der Doc das es bloß noch eine Möglichkeit gibt zu erfahren was er hat und das sei eine Operation. Es könnte die sogenannte „Traberkrankheit“ sein. Das ist keine bestimmte Krankheit, kommt aber bei Trabern häufig vor. Aber die würde er nicht überleben in seiner jetzigen Verfassung. Wieder hoffen und bangen das er sich ein bisschen erholt um die OP zu schaffen.
Er erholte sich wirklich etwas.
Am 2.2.2002 ,ein Wunderschöner Tag , durfte er eine Stunde Koppel genießen. Er war so glücklich!!!
Mittlerweile war „Un Star“ acht Wochen in der Klinik und die Operation stand für Donnerstag den 21.2.2002 an. Wir waren fertig mit der Welt. Der Doc. gab ihm 30 % Überlebenschance.
Der Tag kam, ich war schon sehr früh in der Klinik. Der Rest der Familie blieb zu Hause. Sie hatten keine Kraft mehr. Ich habe ihn richtig rausgeputzt. „Ernie“ sah gut aus, wenn auch sehr dünn. Habe ihn in die OP Vorbereitungsbox geführt und ihm Mut gemacht. -Er war so Tapfer-
Dann musste ich ihn alleine lassen. Der Doc lächelte mir zu, ich wünschte ihm viel Erfolg und los ging es. Die Minuten wurden zu Stunden. Alle Doktoren und Pflegerinnen aus der Klinik standen mir bei. Sie waren alle so nett. Und doch schien ich es nicht zu bemerken.
Endlich hörte ich wie Doktor T. meinen Namen rief. Ich eilte in den OP. Da lag mein kleiner Schatz mit aufgeschnittenem Bauch und sie versuchten mir schonend beizubringen das der Blinddarm schon abgestorben wäre und sie leider nichts mehr für ihn tun könnten. Ich stand da wie gelähmt. Ich kam mir vor wie in einem Alptraum. Die Tränen flossen, jeder versuchte mich zu beruhigen.
Auf einmal wurde ich ganz ruhig, setzte mich an seinen schönen Kopf und streichelte ihn.
Sie schläferten ihn ein. Sein Kopf lag in meinen Armen als er starb. Es war plötzlich alles so friedlich.
Wir haben ihn alle so sehr geliebt. Jetzt hat er keine Schmerzen mehr.
Manchmal träume ich von ihm, sehe ihn über eine schöne Wiese laufen und weiß das er jetzt glücklich ist.
Sein Halfter hängt an meiner Wand. Wir werden ihn nie vergessen!
Er war ein Star!


Janette de Steur



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